Ost trifft West - Orientierung in China

Ost trifft West - Orientierung in China

Auge um Auge Zahn um Zahn?

BusinessPosted by Zoe Tu Fri, August 29, 2014 13:03:43
Im Juni hat das chinesische Verwaltungsamt für Industrie und Handel Microsoft endlich einmal richtig unter die Lupe genommen. Die Ermittlung gegen den Software-Giganten ging angeblich aus dem Verdacht auf unerlaubten Wettbewerb bzw. Monopolisierung heraus. Die Behörde wirft Microsoft Verschleierung vor, denn "Microsoft hat Informationen zur Verknüpfung von Windows und Office nicht vollständig bekanntgegeben und bietet kostenpflichtige Browser und Player an."

Die genaue Bedeutung dieses Vorwurfs ist schwer zu entziffern, aber eine viel wichtigere Frage ist doch: warum jetzt?

Microsoft ist bereits seit Anfang der Neunziger auf dem chinesischen Markt und macht bis heute bekanntlich kaum Umsatz in China. Weil eben die meisten Programme ohne Lizenz installiert werden, nicht nur von Privatpersonen, sondern auch von vielen großen oder kleineren Firmen. Und was ist jetzt los, dass China nicht mehr die freie Nutzung illegaler Softwares leise genießen wollen, sondern auf einmal ganz laut nach den fairen Wettbewerbsbedingungen strebt?

Microsoft ist ja nicht der einzige, der von der plötzlichen „Anti-Monopol-Welle“ Chinas betroffen ist. Bereits letztes Jahr wurde Apple aufgefordert, die Aftersales-Politik der Firma für den chinesischen Markt zu ändern. Und nun kommen auch Starbucks, Volkswagen, Daimler und GlaxoSmithKline (ein britischer Pharmakonzern) an die Reihe.

Ein Fakt ist nicht zu übersehen: bisher sind nur ausländische Firmen als Zielscheibe der Aktion aufgestellt worden. Die wirklichen Monopole – die staatlichen Firmen, die wichtigen Branchen wie Telekomunikation, Energieversorgung und Finanzwesen fest in eigenen Händen halten, blieben bis jetzt unberührt.

Ist das Ganze mit dem Begriff „Protektionismus“ zu erklären? Ich glaube es nicht. China hat seinen Markt bereits seit dreißig Jahren der Welt gegenüber geöffnet, eine angemessene Gegenleistung bekommt China aber auch heute noch nicht von USA und Europa. Es gibt immer noch viel zu viel Handelsbarrieren gegen chinesische Produkte oder chinesische Unternehmen – meinen auf jeden Fall die staatlichen Medien, die ja auch die Stimme der Regierung vertreten sollen. Die Unzufriedenheit der Chinesen gärt ja auch schon seit einiger Zeit.

Das eigentliche Übel wurde bereits im Jahr 2011 gesät, als die Staaten die zwei größten chinesischen Privatunternehmen Hua Wie und ZTE, beide Anbieter von Telekommunikationstechnologie, wegen angeblicher Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA gebannt haben. Nach dreijähriger Ermittlung können die US-Behörden bis heute ihre Anschuldigung nicht nachweisen.

Auch die EU plante angeblich im Jahr 2013 Sanktionen gegen Hua Wie und ZTE, laut Reuters jedenfalls. Aus irgendeinem Grund war es doch nicht so weit gekommen. Dennoch fühlt sich China provoziert und will nun eben der Welt auch einmal zeigen, dass das Land eine ebenbürtige Wirtschaftsmacht gegenüber USA und EU ist!



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