Ost trifft West - Orientierung in China

Ost trifft West - Orientierung in China

Glück auf dem Pferd!

KulturPosted by Zoe Tu Thu, January 30, 2014 12:26:54
Heute ist der Vorabend vor dem chinesischen Neujahr – also quasi der chinesische Silvester. Morgen ist der erste Tag im Jahr des Pferdes. Da „auf dem Pferd“ in Chinesisch (马上) auch „sofort“ oder „gleich“ bedeutet, kreiert man in China nun viele doppeldeutige Neujahrsbegrüßungen in Kombination mit diesem Ausdruck. Wie zum Beispiel „Geld auf dem Pferd“, oder „Liebe auf dem Pferd“ und so weit.

Pferd als Motiv der Kuscheltiere oder Tischdekoraktionen, am besten mit dem Symbol des Geldes am Rücken, wird nun zum beliebtesten Glücksbringer des Jahres. Wenn Sie Ihren chinesischen Geschäftspartnern ein Neujahresgeschenk machen wollen, können Sie mit dem „Geld auf Pferd“ sicherlich nichts falsch machen.

Hier möchte ich Ihnen an diesem chinesischen Gebrauch anlehnend viel Glück auf dem Pferd wünschen!





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Die Zwei- und Vierbeinigen

KulturPosted by Zoe Tu Mon, September 30, 2013 16:27:58

Die Zwei- und Vierbeiner

Es gibt einen alten chinesischen Spruch über sie selbst: die Chinesen essen alle Vierbeiner außer Tische und alle Zweibeiner außer Menschen. An diesem Satz ist schon etwas Wahres dran.

Viele westliche Touristen – wenn sie zum ersten Mal in China sind – erleben oft „böse Überraschungen“ beim Essen und werden schnell von einem Liebhaber der asiatischen Küche zu deren Kritiker. Dabei handelt es sich ja gar nicht um jene gruseligen Lebewesen, die für den Verzehr ungeeignet sind, wie zum Beispiel Affen, Krokodile oder sogar Insekten. Auch nicht um Hunde und Katzen, denn selbst diese tauchen in der Speisenkarte eines normalen Restaurants nur ganz selten auf.

Die Chinesen konsumieren auch nur das Fleisch der normalen Nutztiere, allerdings nicht unbedingt die Teile, die in den westlichen Ländern beliebt sind. Denn die Chinesen nagen gerne und für sie ist ein Stück Fleisch dann ein gutes, wenn es direkt am Knochen hängt. Das nennt man dann „vitales Fleisch“ und die Teile wie Hähnchenbrust nennt man dagegen „eingeschlafenes Fleisch“. Denn die Körperteile, die am häufigsten bewegt werden, sollten wegen der ständigen Durchblutung angeblich am besten schmecken. Daher kosten in China Suppenknochen viel mehr als Bauchfleisch, und die Hälse und Füße von Hähnchen oder Enten sind teurer als das Brustfleisch. Deutschland macht mit solchen früheren „Abfallprodukten“ inzwischen große Exportgeschäfte mit China.

So fühlen sich die Menschen, die die chinesische Küche mit dem Gericht „Ente-süß-sauer“ identifizieren, natürlich sofort überfordert, sobald sie die authentische Version der Küche kennenlernen.

Wenn man von der chinesischen Küche redet, soll man dabei nicht vergessen, wie groß China eigentlich ist und wie vielfältig und deutlich regional unterteilt die chinesische Kultur ist. Dass das in China sehr unbedeutende bis unbekannte Gericht „Ente-süß-sauer“ sich über die Jahre in den westlichen Ländern so breitgemacht hat, liegt daran, dass die chinesische Kultur bis in die jüngste Vergangenheit hauptsächlich durch Kantonesen nach draußen getragen wurde. Kanton ist eine Provinz Südchinas und mit Hongkong benachbart. Die früheren Überseechinesen kommen überwiegend aus dieser Gegend. Die sogenannte chinesische Küche, die ich in Deutschland kannte, ist im Grunde genommen eine für den westlichen Geschmack angepasste kantonesische Küche, die aber im heutigen China ihre Bedeutung langsam verloren hat, außer natürlich in Kanton selbst.

Laut Volksmund gibt es in China acht bekannte regionale Küchen bzw. Geschmacksrichtungen. Ganz pauschal könnte man sagen, dass der beliebte Geschmack im Süden eher süß, im Osten salzig, im Zentral- und Westchina scharf und im Nordosten etwas sauer ist.

Der Geschmack der Chinesen ändert sich aber auch sehr schnell, so wurde seit einigen Jahren die scharfe Küche aus „Si Chuan“ und „Hu Nan“ auf einmal nationalweit populär. Die meisten westlichen Touristen können diese nur schwer mit der chinesischen Küche in Verbindung bringen, die sie aus ihrer Heimat kennen. Denn sie haben eigentlich gar nichts mit einander gemeinsam.

Essen ist eine ganz große Sache für die Chinesen und sie sind für ein gutes Mal auch gerne bereit ein bis zwei Stunden im Foyer eines Lokals auf Plätze zu warten. Es gibt überall Restaurants in den Städten, dennoch scheinen alle zur Essenszeit immer besetzt zu sein. In Shanghai findet man allein auf „Da Zhong Dian Ping“ (eine ähnliche Webseite wie Restaurant-Kritik.de) über 70,000 Restaurants, von den unzähligen No-Name-Lokalen und Straßenverkäufern ganz zu schwiegen.

Ein Durchschnittschinese isst konsequent dreimal warm am Tag, wenn es nur geht. Dass man auch mit kalten, belegten Brötchen den Tag rumkriegen kann, ist für die Chinesen undenkbar. Daher wird natürlich alle verfügbare Freizeit fürs Essen oder Essengehen investiert. Für manche andere Freizeitaktivitäten, vor allem wie Sport, fehlt es bei denen sowohl die Zeit als auch das Interesse. Zu dem Motto „men sana in corpore sano“ wird ein Chinese eher sagen, dass ein gesunder Geist nur nach einer gaumenbefriedigenden Mahlzeit anzutreffen ist.

Daher ist der Esstisch – vor allem ein öffentlicher – ein sehr wichtiger Ort für die gesellschaftliche Kommunikation, egal ob privat oder geschäftlich. Wer von den regelmäßigen „Dinner after Work“ abgeneigt ist, muss irgendwann mit der Konsequenz rechnen, von anderen völlig ausgegrenzt zu sein.

Über das Essen können Chinesen unzählige Bücher schreiben. Eine Doku-Serie gibt es auch schon auf Youtube, die den englischen Titel „ A bite of China“ trägt. (http://www.youtube.com/watch?v=OeBXANb2zOM)

Wenn man mich fragt, was die größte Herausforderung für einen Überseechinesen ist, würde ich zweifellos beantworten: Das Essen. Aber inzwischen gibt es auch immer mehr authentische chinesische Restaurants in Deutschland, bei denen man sich eine kulinarische Belohnung nach einer harten Woche gönnen kann, ohne zurück nach China fliegen zu müssen.

Die Bilder habe ich in einem Hot-Pot Restaurant in Frankfurt beim Essen aufgenommen. Und es gehört natürlich ebenfalls zu den chinesischen Tugenden, beim Essen auch etwas Leckeres für die Augen ins Internet zu posten!








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„Was wollen Sie waschen?“

KulturPosted by Zoe Tu Fri, September 27, 2013 08:28:22
Einmal war ich mit meinen chinesischen Teamkollegen geschäftlich in Deutschland unterwegs und es war Winter. Nach einem langen Messetag saßen wir alle zusammen in einem urigen deutschen Lokal. Da sie keine englische Speisen- und Getränkekarte haben, musste ich natürlich alles übersetzen.

Nach einer kleinen Diskussionsrunde wollte ich zunächst eine große Kanne warmes Wasser bestellen. Auf meine Bestellung wies uns die nette Bedienung freundlich darauf hin, dass es auch in der Toilette warmes Wasser gäbe. Ich betonte aber, dass wir gekochtes warmes Wasser haben wollen.

Daraufhin schaut die Bedienung mich verwirrt an und fragte vorsichtig: „Was wollen Sie waschen?“ Ich versuchte das Lachen zu verkneifen und sagte: „Nein, wir wollen es trinken.“
Ja, die chinesischen Mägen sind leider nicht für eisgekühlte Getränke geeignet, und schon gar nicht im Winter!

Das war auch eine der wenigen Traditionen und Lebensangewohnheiten – was das gesunde Leben betrifft – von vielen Chinesen beibehalten haben.

Inzwischen wurde es auch von vielen westlichen Medizinern nachgewiesen, dass die eiskalten Getränke nicht wirklich gesundheitsfördernd sind. Was für den menschlichen Körper als meist bekömmlich gilt, ist lauwarmes Wasser, auch wenn es sich nicht wirklich prickelnd anhört.

Also, seien Sie deshalb nicht verunsichert, wenn Sie in China bei jemandem zu Gast sind - vor allem bei den Älteren - und ein Glas warmes Wasser fürs Trinken angeboten bekommen.

Nun können wir endlich auch ein gängiges Klischee über China widerlegen: Trinken alle Chinesen zuhause jeden Tag Tee? Nein, eher warmes Wasser.





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